Praxisratgeber

Wie helfe ich, wenn …

So unterstützen Sie Menschen mit Alzheimer-Krankheit im Alltag.

Jeder Mensch ist anders. Dennoch gibt es typische Herausforderungen für Menschen mit Alzheimer. Die folgenden Tipps sollen Angehörigen und anderen Unterstützenden helfen zu helfen.

Gemeinsam mit der Diagnose umgehen

Die Diagnose Alzheimer-Krankheit ist für Betroffene, Angehörige und das Umfeld oft ein Schock. Für die Betroffenen gilt: Jede und jeder reagiert individuell. Verleugnung, Wut, Depression und schließlich Akzeptanz stellen typische Phasen der Verarbeitung und Bewältigung dar, und der gesamte Prozess benötigt Zeit. Versuchen Sie, in allen Phasen für die betroffene Person da zu sein.

Das kann schwer werden, wenn sich die Wut gegen Sie richtet („Du hast leicht reden, du bist ja nicht krank!“) oder eine depressive Stimmung auf Sie überzugehen droht. Nehmen Sie Dinge nicht persönlich. Signalisieren Sie: Ich bin da und nah, auch wenn die Umsetzung für Sie herausfordernd sein kann.

Die Diagnose kann sich für Erkrankte anfühlen, als würde der Boden unter den Füßen weggerissen. Versuchen Sie, stabil und zugewandt zu bleiben. Das gibt wertvollen Halt. Denken Sie dabei daran: Sie sind sehr wichtig. Achten Sie daher auch auf sich selbst. Mehr dazu im Kapitel „Selbstfürsorge“.

Die folgenden Ratschläge sollen Orientierung geben, um die Bewältigung des Alltags an der Seite Ihres geliebten Menschen zu erleichtern.

Appetit und Durst anregen

Essen und Trinken sind für die körperliche und auch geistige Kraft besonders wichtig. Sie können bei Ihrem lieben Menschen mit Alzheimer beides auf verschiedene Arten unterstützen.

  • Berücksichtigen Sie geschmackliche Vorlieben.
  • Reagieren Sie auf Veränderungen beim Geschmack. Oft werden zum Beispiel mit der Zeit süßere oder schärfere Speisen bevorzugt.
  • Erinnern Sie ans Trinken. Circa 1,5 Liter sollten es im Normalfall mindestens sein.
  • Bunte Gläser oder Becher können die Lust steigern, etwas zu trinken. Süße Getränke und Fruchtsäfte liefern auch Kalorien.
  • Stellen Sie als Appetitanreger zwischendurch kleine Schälchen mit Snacks auf den Tisch, zum Beispiel mit Obst oder Nüssen.
  • Machen Sie bei Bedarf das selbständige Essen leichter: Schneiden Sie die Speisen in mundgerechte Stücke oder bieten Sie einen Löffel an, falls es mit Messer und Gabel Schwierigkeiten gibt.
  • Kochen Sie gemeinsam. Das aktiviert – und macht Spaß und Appetit.

Das Ankleiden erleichtern

Sortieren Sie gemeinsam den Kleiderschrank aus, so dass das Auswählen leichter wird. Wählen Sie Kleidung, die leicht anzuziehen ist. Große Knöpfe sind zum Beispiel meist besser als kleine. Klettverschlüsse können eine gute Alternative zu Reißverschlüssen sein. Wenn Ihre Angehörige oder Ihr Angehöriger mit Alzheimer beim Anziehen zunehmend durcheinander kommt, legen Sie die Kleidung für sie oder ihn zurecht. Wichtig: Achten Sie darauf, dass die Kleidung gut passt. Sie ist sonst nicht nur unbequem, sondern kann auch die Sturzgefahr erhöhen.

Das Wohnumfeld sichern

Auch wenn er oder sie bis gestern immer daran gedacht hat, den Herd auszuschalten: Bei Menschen mit Alzheimer kann es heute schon anders sein. Auch Koordination und Kraft lassen im Verlauf der Alzheimer-Erkrankung nach. Am besten, Sie sorgen frühzeitig für ein möglichst sicheres Umfeld.

  • Nutzen Sie Elektrogeräte mit Abschaltautomatik, zum Beispiel bei Herd oder Bügeleisen.
  • Lösungen mit Anwesenheitsdetektoren in der Küche sorgen dafür, dass der Herd oder Ofen nur funktioniert, solange sich eine Person im Raum bewegt.
  • Moderne Rauchmelder können Angehörige automatisch über das Smartphone informieren, wenn ein Rauchalarm ausgelöst wird.
  • Haltegriffe, zum Beispiel im Bad und an Treppen, geben Sicherheit und ermöglichen mehr Selbständigkeit.
  • Zum Schutz vor Verbrennungen stellen Sie die Temperatur für heißes Wasser auf unter 45 Grad.
  • Sorgen Sie auch nachts für Beleuchtung, etwa für den Weg zur Toilette. Hier können Bewegungsmelder und Nachtlichter helfen.
  • Schaffen Sie rutschfeste Untergründe, zum Beispiel im Bad und in der Dusche.
  • Beheben Sie Stolperfallen wie unebene Teppiche und herumliegende Kabel.

Eine Tagesstruktur schaffen, guten Schlaf fördern

Menschen mit Alzheimer profitieren sehr von regelmäßigen Routinen. Diese geben Sicherheit und Orientierung. Auch für den Schlaf sind Routinen von Vorteil.

  • Pflegen Sie mit Ihrem erkrankten Angehörigen eine feste Tagesstruktur, zum Beispiel für Aufstehen, Frühstück, Spaziergang, Mittagessen etc.
  • Durch moderne Steuerungstechnik können Sie die Beleuchtung an einen regelmäßigen Tagesablauf anpassen und so den Biorhythmus unterstützen: mit zunehmender Helligkeit wecken, am Vormittag eher kälteres Licht, zum Abend langsam dunkler und wärmer, um das Einschlafen zu erleichtern.
  • Wenn das Schlafen nachts Probleme bereitet, versuchen Sie zu vermeiden, dass es tagsüber zu Nickerchen zwischendurch kommt.
  • Überschüssige Energie lässt sich gut durch Bewegung abbauen, zum Beispiel bei einem Spaziergang.

In gutem Kontakt bleiben

Wenn die geistigen und körperlichen Kräfte nachlassen, werden Gespräche schwieriger. Mit Geduld und Ruhe helfen Sie Ihrer oder Ihrem erkrankten Angehörigen am besten. Versuchen Sie, sich einfühlsam auf die Gedanken einzulassen.

  • Stellen Sie sich auf die Fähigkeiten ein und sprechen Sie zum Beispiel langsam, deutlich, mit einfachen Worten und in kurzen Sätzen.
  • Halten Sie Blickkontakt – auch mit Körpersprache kann man sich verständigen.
  • Bei fortschreitender Erkrankung: Lassen Sie mit Fingerspitzengefühl gelten, was gesagt wird. Zurechtweisen oder stetiges Verbessern kann verunsichern und verärgern.
  • Der Faden geht komplett verloren oder ein Gespräch wühlt sehr auf? Wechseln Sie das Thema.
  • Wenn Namen entfallen, helfen Bilder im Gespräch auf die Sprünge.
  • Ereignisse aus der Kindheit und Jugend werden oft noch lange erinnert. Schauen Sie zum Beispiel gemeinsam alte Fotos an.

Diese Anregungen sollen Ihnen helfen, Ihren lieben Menschen mit Alzheimer im gemeinsamen Alltag zu unterstützen.

Weitere Informationen erhalten Sie zum Beispiel bei Organisationen wie der Alzheimer Forschung Initiative e. V., bei der Verbraucherzentrale oder Ihrer Krankenkasse.

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